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Fabian Cancellaras Welt

Cancellara, der Stärkste. Bei der Einfahrt ins Vélodrome wich die Erschöpfung schier unbändiger Freude. Fabian Cancellara riss erlöst die Arme in die Luft. Am 9. April 2006 erreichte er, was ihm Jahre zuvor prophezeit worden war: den Sieg bei Paris – Roubaix. Der Weg bis dahin war steinig gewesen, im wahrsten Sinn.

 

Cancellara, der Stärkste. Bei der Einfahrt ins Vélodromewich die Erschöpfung schier unbändiger Freude. Fabian Cancellara riss erlöst die Arme in die Luft. Am 9. April 2006 erreichte er, was ihm Jahre zuvor prophezeit worden war: den Sieg bei Paris – Roubaix. Der Weg bis dahin war steinig gewesen, im wahrsten Sinn.

 

Cancellara, der Schwächling? Als er 2003 im Trikot von Fassa Bortolo erstmals zu Paris – Roubaix antrat, sagte der Teamchef Giancarlo Ferretti: Er sei schon sehr zufrieden, sollte der junge Schweizer sechs der 26 Pavé-Passagen überstehen. Ausgerechnet Ferretti, der Schleifer, gestand einem seiner Fahrer prophylaktisch den vorzeitigen Ausstieg zu.

 

Die 260 topfebenen Kilometer von Compiègne ins Vélodrome von Roubaix, davon 50 über Stock und Stein, teilen die Gilde der Radsportler in zwei Lager. Die Pavés sind groß und unförmig, mitunter klaffen sie mehrere Zentimenter auseinander, es rattert und knattert unablässig. Wer dem mühseligen Kultwettkampf schmeicheln will, nennt ihn die „Königin der Classiques“. Für die Mehrheit ist Paris – Roubaix aber die „Hölle des Nordens“. Auch für Ferretti. Meistens verzichtete er darauf, im Mannschaftswagen dabei zu sein. Die Abscheu hinderte ihn nicht daran, Cancellara das archaische Rennen schmackhaft zu machen. Wie zuvor die Mapei-Verantwortlichen hatte auch er erkannt, dass mit Cancellara ein möglicher Sieger heranreifte. Also entband er ihn bei der Premiere jeglicher Helferpflicht. Und hieß ihn – zu lernen.

 

Die Sonne brannte vom Himmel, trockener Staub wirbelte vom Boden auf und bahnte sich einen Weg in die Lungen der Radprofis. Cancellara fuhr so vorsichtig wie möglich über die Pflastersteine, „damit es weniger wehtat“. Beim zweiten Verpflegungsposten nach 200 Kilometern, kurz vor dem berüchtigten Wald von Arenberg, gab er auf und ließ sich vom Begleitauto des Teams US Postal ins Ziel fahren. Von Fassa Bortolo war zu dem Zeitpunkt kein Wagen in der Nähe. „Ich hasste das Rennen“, sagt Cancellara, obwohl er die bescheidene Vorgabe, mindestens sechs Pavé-Passagen zu überstehen, in die Tat umgesetzt hatte. „Ich schwor mir zurückzukehren.“

 

Die Taktik von Ferretti ging auf, Cancellara kam zurück. 2004 zog er an einem kalten, aber trockenen Aprilsonntag das Feld im Wald von Arenberg von der Spitze aus in die Länge. 20 Fahrer blieben übrig. 15 Kilometer vor dem Ziel bildete sich eine Fluchtgruppe. Cancellara war dabei. Und machte so ziemlich jeden Fehler, „den ein junger Mann begehen kann“, wie Ferretti später sagte. Cancellara hatte die drei verbliebenen Begleiter fast im Alleingang ins Vélodrome geführt und den Sprint zu früh lanciert. Magnus Bäckstedt siegte. Cancellara verpasste das Podest. Und sagte, dass „von beidem etwas“ zurückbleibe, von der Freude über die gute Leistung und von der Enttäuschung, nicht gewonnen zu haben.

 

Hinweis: Den ganzen Artikel gibt's im Magazin ''ProCycling''